Fotos: Eva Radünzel-Kitamura

Theaterpreis des Bundes

Die Theaterwerkstatt Pilkentafel hat im Mai 2019 von Staatsministerin Prof. Monika Grütters den Theaterpreis des Bundes in einer offiziellen Feierstunde verliehen bekommen:

“Mit dem Theaterpreis des Bundes, der sich vor allem an kleinere und mittlere Häuser richtet, zeichnen wir in diesem Jahr wieder Theater aus, die vor Ort gesellschaftlich wichtige Debatten anstoßen und die das Leben der jeweiligen Stadtgesellschaften aktiv mitgestalten. Dafür brauchen diese Theater Mut zum künstlerischen Experiment, nicht selten müssen sie auch ihre künstlerische Freiheit verteidigen. Der Theaterpreis des Bundes, der als ‘Ermutigungspreis’ gedacht ist, möchte diese Bühnen darin bestärken. Zugleich soll das Preisgeld den Häusern einen weiteren finanziellen Spielraum für ihr künstlerisches Programm eröffnen.”

 

Es wurden 11 Theater, sowohl Stadttheater als auch Freie Theater aus der ganzen Bundesrepublik von einer hochkarätigen Jury ausgewählt und erhielten ein jeweils ein Preisgeld von 75.000,--€. Der Preis wurde zum 3. Mal vergeben. Die Theaterwerkstatt Pilkentafel ist das erste Theater aus Schleswig Holstein und das kleinste Theater mit den geringsten Zuschüssen, das jemals diesen Preis bekommen hat. Aus dem Preisgeld heraus sichert sie für die Jahre 2020/21 die Abendgagen der kooperierenden Gruppen. Damit wird ein wichtiger Beitrag zum Transformationsprozess in ein demokratisches Produktionshaus geleistet. 

 


So begründet die Jury die Preisvergabe:

"Theaterwerkstatt Pilkentafel – Flensburg: In einer Seitenstraße unweit des Flensburger Hafens gelegen, blickt die Theaterwerkstatt Pilkentafel weit über die Grenzen der Stadt hinaus. Flensburg.

Das bedeutet Hafenstadt. Tourismusstadt. Rumstadt. Aber auch Rückzugsstadt der Nationalsozialisten im Dritten Reich. Stadt der Profiteure von Sklavenhandel und Ausbeuterei. In langen zeitlichen Linien verfolgen Elisabeth Bohde und Torsten Schütte ihre Themen, verknüpfen Stadtgeschichte mit Weltgeschichte, Gegenwart mit Vergangenheit. Belehren wollen sie dabei nie. Ihre Inszenierungen zeugen von Haltung, aber auch von ständigem Zweifel, der der Anfang allen Denkens ist. In ihrem kleinen Theaterraum, der einst tatsächlich eine Werkstatt beherbergte, schauen wir ins Innere der Maschine Mensch. „Von der Begierde


Burgen zu Bauen“ nennt sich eine Selbstuntersuchung, „Vom Reisen in ehemalige Kolonien“ eine Positionsbestimmung, die die Kolonialgeschichte der Virgin Islands mit dem heutigen Reichtum Flensburgs verbindet. Die Stücke der Pilkentafel bedienen sich bei den Mitteln des Schauspiels, der Performance, des Objekttheaters

und der Neuen Musik. Komplex, vielgestaltig und tastend, gleichen sie einer gemeinsamen Suche, bei der sich die Performer*innen permanent selbst aufs Spiel setzen. Als eines der wenigen freien Theater in Schleswig-Holstein engagiert sich die Pilkentafel zudem aktiv für den Ausbau der freien Szene. Auch die eigene Öffnung für

 

den Nachwuchs steht an oberster Stelle, um die Theaterwerkstatt, deren Strahlkraft als produktiver Denk und Verhandlungsort gesellschaftspolitischer Fragen weit über die Stadt hinausweist, zukünftig zu einem zentralen, überregional vernetzten Produktionshaus für die freie Szene Schleswig-Holsteins auszubauen. Diese langjährige essenzielle Pionierarbeit hält die Jury für absolut preiswürdig.“