Liebe Alle
Wir wissen es alle: Theater hat keine Handlungsmacht, Theater kann nicht „die Welt“ verändern. Im Gegenteil, wie alle anderen auch, müssen wir die Verdunklung dieser Welt aushalten. Aber was ist mit der inneren Welt, dem was wir von der Welt wahrnehmen, wie wir uns in der Welt empfinden, wie wir die Welt in uns empfinden …
Und an dieser Weltwahrnehmung arbeitet Theater immer. Es kann ein Labor, ein Erfahrungsraum, eine Begegnungsstätte sein, in der wir die gemischten Gefühle erleben, teilen, reflektieren können. Es gibt so viele Gründe wütend zu werden, aber auch ängstlich, verwirrt, überfordert, empört, hilflos, müde, abgestumpft… Wir kommen hinter den Nachrichten, die wir lesen und den Erfahrungen, die wir damit machen, kaum mehr hinterher, sind oft nicht mehr in der Lage, das alles zu verarbeiten, einzuordnen oder auch nur zu fühlen. Diese sich verdunkelnde Welt überfordert uns emotional. Welche Gefühle sind angemessen? Vielleicht leiden wir alle unter Gefühlserschöpfung?
Aber politische Einstellungen und Handlungen speisen sich eben nicht nur aus Fakten, Meinungen, Erkenntnissen, sondern aus Gefühlen. So laden wir ein, diese zu erleben, zu teilen, zu sortieren, um dann vielleicht auch zu neuen Aktivitäten zu kommen.
Die verschiedenen Aufführungen dieses Spielplans verbindet trotz der unterschiedlichen Themen und Ästhetiken die Suche nach einer Haltung, einem Gefühl, einem Umgang und decken Gefühlslagen auf, die sonst im Verborgenen bleiben. Aber die verborgenen Gefühle bestimmen uns mehr als die, die wir kennen und wahrnehmen.
Übrigens: die Farbigkeit dieses Spielplans folgt diesmal nicht nur ästhetischen und thematischen Gründen, sondern ist auch so gemeint – als Zeichen der Solidarität und Empathie mit der Queeren Community.
Elisabeth Bohde

