aus geschichten lernen?

Aus GechichteN lernen: „Wir müssen aus der Geschichte lernen“, so heißt es gern. Aber was bedeutet das? Aus welcher Geschichte? – Aus der Geschichte des Nationalsozialismus? Das ist (war?) ein Grundkonsens. Dass sich die Geschichte nicht wiederholen darf?
Und was ist mit der Kolonialgeschichte? Ist sie beendet? Sehen wir sie überhaupt als unsere an? Sind wir uns bewusst, wie sehr unser Wohlstand, unsere Privilegien, unsere Überlegenheit auf Kolonialgeschichte und Rassismus beruhen? Und wie sehr nicht zuletzt die Migrationsbewegungen dieser Zeit eine Folge davon sind?
Seit einigen Jahren macht sich Flensburg auf den Weg, seine Vergangenheit als Rückzugsort der Nazis anzunehmen, und beginnt zu sehen, dass die Rumstadt eben auch eine Stadt der Profiteure
von Sklaverei ist. Wir haben es immer als unsere Aufgabe gesehen, uns an diesen Auseinandersetzungen mit unseren Theaterstücken zu beteiligen und so nehmen wir diese Stücke noch einmal auf.  In den Theaterstücken erzählen wir immer nur einzelne Geschichten, probieren Perspektiven aus, suchen Verbindungen, beleuchten Einzelheiten und positionieren uns immer selbst.

Aber ob das jetzt Lernen ist?
Und gibt es das, „Die Geschichte“. Welche Geschichte? Wessen Geschichte. Wer erzählt sie? Wem und warum. Wem nützt diese Erzählung? Wer entscheidet, was zu der Geschichte dazu gehört und was nicht.
Weil wir das immer nur für uns letztlich sehr persönlich entscheiden, haben wir andere eingeladen, mit uns über die Frage nachzudenken, ihre Blick winkel, Herangehensweisen, Reflexionsebenen zu teilen.

Wir waren bei der Vorbereitung überwältigt, wie groß der Wille zur Zusammenarbeit, zum gemeinsamen Nachdenken, zum Mitmachen war. Wir haben schon dabei viel gelernt und hoffen, dass das Theater so zu einem gemeinsamen, geschützten und offenen Raum wird, dass es öffentliche und doch intime Gespräche gibt, dass ein wirklicher Austausch von Erfahrungen und Gedanken möglich
wird und wir alle vielleicht nicht aus der Geschichte, sondern voneinander lernen.

 

Elisabeth Bohde



Dieses Programm wird ermöglicht durch die Bingo!-Projektförderung Schleswig-Holstein.

 

Das Gastspiel ODZYSKANE wurde von der Stadt Flensburg im Rahmen der Städtepartnerschaft finanziert.

 

Dieser Spielplan entsteht in Kooperation mit der Slesvigsken Samling in der Dansk Centralbibliotek, dem Schifffahrtsmuseum und der Europa-Universität Flensburg.


Wir danken allen Beteiligten für ihre Teilnahme und ihr Mitdenken
an der Gesamtkonzeption.