Ailleurs ist anderswo
Vom Sommer 2012 bis zum Sommer 2013 werden Sie in der Theaterwerkstatt Pilkentafel weiter anspruchsvolles, gutes, professionelles, eigenartiges Theater für Kinder und Erwachsene sehen können, aber eben nicht Theaterstücke von Elisabeth Bohde und Torsten Schütte, sondern Aufführungen der Compagnie Les Yeux Gourmands aus Chambéry (Frankreich). Nein, keine Sorge, Sie müssen jetzt nicht Französisch lernen, denn unsere französischen Kollegen wissen ja, dass sie sich an ein deutschsprachiges Publikum wenden und suchen ja gerade diesen Kontakt. Wir sind in dieser Zeit in der Savoie und überprüfen, ob die Alpenkulisse, das grüne Wasser des Lac D’Aigebelette, der gute Käse, die andere Sprache, aber auch die anderen Arbeitsstrukturen uns zu anderen Arbeitsweisen und Ergebnissen führen. Das können sie dann im September 2013 überprüfen, wenn wir mit einer neuen Produktion zurückkommen.
Vorgeschichte
Im Herbst 2010 initiierte Véronique Chatard von der Compagnie Les Yeux Gourmands ein ungewöhnliches Projekt. Sie plante, mit einem anderen Theater irgendwo auf der Erde für ein Jahr den Ort des Lebens und der Arbeit zu tauschen. Dafür mobilisierte sie ihr gesamtes Umfeld: 80 Personen in 7 verschiedenen Gruppen (die Künstler, die in der Compagnie arbeiten, die Theaterhäuser, an denen sie spielen, Kinder, mit den sie arbeiten,…), und diese formulierten Kleinanzeigen zu diesem Projekt. Am 21. Dezember wurden sie verteilt, verschickt, versandt und bis zum 21. März sollten die Theater sich bewerben.
Wir haben diese Kleinanzeige gefunden und uns beworben, erst nur aus Neugier, dann mit immer stärkerem Interesse. Am 21. Juni entschieden sich Véronique Chatard und die Compagnie Les Yeux Gourmands für uns, seitdem bereiten wir uns vor.
Die Compagnie Les Yeux Gourmands
Die Compagnie Les Yeux Gourmands wurde 1993 von Philippe Rousseau und Véronique Chatard gegründet. Mit der Produktion „Les Yeux des Lilith“ 2001 hinterließ sie einen starken Eindruck im französischen Kinder- und Jugendtheater. Seit dem Tod von Philippe Rousseau 2005 leitet Véronique Chatard allein die Compagnie und entwickelte eine eigenständige künstlerische Handschrift, die ihre Herkunft als Butohtänzerin mit Texten und Literatur verbindet. Ihre Produktionen wenden sich an Menschen jeden Alters. Sie sucht vielfältige Kooperationen mit Musikern und bildenden Künstlern. Die Compagnie hat ihre Arbeitsräume (Probenraum, Lager, Fundus, Büros) auf dem Gelände einer psychiatrischen Klinik. Sie wird von der Stadt, dem Departement, der Region und der DRAC fest unterstützt und ist eingebunden in ein Netz wichtiger Theaterhäuser der Region (Chambéry, Grenoble, Lyon, Albertville)
www.lesyeuxgourmands.com
Planung
Natürlich entspricht es dieser Idee nicht, schon alles genau zu planen, denn es geht ja darum, sich auf dieses Abenteuer einzulassen und eben in Verbindung mit dem jeweiligen Ailleurs zu planen und Neues zu schaffen. Aber einige Dinge sind doch schon klar:
Les Yeux de Lilith
Schon im Herbst 2011 fanden die ersten Proben zu einer neuen überarbeiteten Fassung dieses „alten“ Stücks der Compagnie Les Yeux Gourmands statt. Torsten Schütte spielt in einer neuen Rolle mit Veronique Chatard. Elisabeth Bohde begleitet die Proben mit einem kritischen Blick. Ab März 2012 wird dieses Stück in Frankreich zu sehen sein. Die deutsche Fassung dieser Koproduktion wird die Saison 2013 hier eröffnen. Danach werden Véronique Chatard und wechselnde Mitglieder des Ensembles für ein Jahr das Programm der Pilkentafel gestalten und bestimmt auch im öffentlichen Leben der Stadt auftauchen.
Schon wird auf französischer Seite daran gearbeitet, Gastspiele aus dem Repertoire der Pilkentafel in französischen Theatern zu organisieren. Ansonsten werden Elisabeth Bohde und Torsten Schütte die Zeit nutzen, nicht ganz schnell zu produzieren, sondern Projekte zu entwickeln, zu recherchieren und auszuprobieren.
Die anderen
Theater ist eine soziale Kunst, erst in der Begegnung mit dem Zuschauer entsteht Theater, davor ist es Probe. D.h., dieser Austausch ist nicht nur ein Austausch der zwei Theater, sondern die Begegnung der Theater mit dem anderen Umfeld – eben dem Ailleurs. Das meint genauso das professionelle Umfeld der Kulturinstitutionen und künstlerischen Mitarbeiter, wie die Zuschauer, die Nachbarn, Freunde. Auf französischer Seite gibt es ein Jahr Vorsprung, in dem sich ein ganzes soziales Netz aufgetan hat, uns zu empfangen. Auf unserer Seite fangen wir jetzt erst damit an, und laden alle ein, sich zu beteiligen, sich einzubringen.





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